Fliegen lernen

Segelfliegen ist nicht nur die älteste, sondern auch die schönste Art des Fliegens. Dabei legen wir an Tagen mit gutem Wetter Strecken von mehreren hundert Kilometer zurück und fliegen bis über 200 km/h schnell ohne einen Tropfen Sprit. Die nötige Energie für solche Flüge erhalten wir in thermischen Aufwinden, in denen wir kreisen um uns so in die Höhe tragen zu lassen. Die Form der Wolken, die Beschaffenheit des Untergrundes, aber auch andere Segelflugzeuge zeigen uns, wo Thermik zu finden ist. Jeder Flug ist eine neue Herausforderung, denn man fliegt nicht einfach von A nach B sondern meist dort, wo das Wetter am besten ist. Das heißt, dass kein Flug dem Andern gleicht, denn erst während des Fluges wird entschieden, wohin es überhaupt geht und man muss ständig neue Entscheidungen treffen.

Alles Nötige um dieses Hobby ausüben zu können bietet Dir unser Verein. Alles fängt mit der Flugausbildung an. Um beginnen zu können brauchst du eine fliegerärztliche Untersuchung sowie einen Sehtest. Eine Brille ist dabei kein Hindernis. Dann beginnt die praktische Ausbildung auf unserem Schuldoppelsitzer zusammen mit einem unserer Fluglehrer, die immer an Wochenenden zur Schulung eingeteilt sind. Unser Schleppflugzeug schleppt uns auf eine Höhe von ca 600 m über Grund, ab dann müssen wir selbst schauen, dass wir oben bleiben. So machst du im Schnitt zwei bis drei Starts an einem Tag und arbeitest zusammen mit dem Fluglehrer einzelne Punkte ab. Dazu gehören z.B. besondere Flugzustände und Landungen aus ungewohnter Position, damit du mit allen Eventualitäten vertraut bist, bevor du dann schließlich allein ins Flugzeug steigst. Der erste Alleinflug ist ein Erlebnis, an das man sich wohl noch seine ganze Fliegerlaufbahn erinnern kann. Ab dann geht es fast nur noch alleine in die Luft und steigt vom Doppelsitzer auf die viel wendigeren Einsitzigen Segelflugzeuge um. Während der Wintermonate heißt es dann Theorie lernen. Die theoretische Prüfung umfasst insgesamt neun Fächer. Darunter sind Metereologie, Navigation, Luftrecht und vieles mehr. Außerdem muss ein Sprechfunkzeugnis gemacht werden. Auch hier bieten unsere Fluglehrer regelmäßig Kurse zur Vorbereitung an. Ist auch das geschafft, dann fehlt nichtmehr viel zum Schein. Mit dem Fluglehrer macht man eine Überlandeinweisung, das heißt man fliegt zum ersten Mal aus dem Gleitbereich des Flugplatzes weg. Da man beim Segelfliegen vom Wetter abhängig ist besteht immer die Möglichkeit, dass man es nicht bis zu einem Flugplatz schafft und stattdessen auf einem Feld landen muss. Aus diesem Grund wird die Überlandeinweisung mit einer solchen Ausenlandung abgeschlossen. Jetzt muss man nur nochmal alleine 50 km überland fliegen und kann dann seinen Schein beantragen. Die durchschnittliche Dauer der Ausbildung im Verein beträgt zwei Jahre.

Nach dem Erhalt des Scheins gibt es viele Möglichkeiten weiter zu machen. Wer sich nicht dauerhaft in Platznähe aufhalten möchte, sondern die sportliche Herausforderung sucht, der kann mit der Überlandfliegerei beginnen, wo versucht wird eine möglichst große Strecke möglichst schnell zu fliegen. Hier gibt es auch die Möglichkeit auf Wettbewerbe zu gehen um sich direkt mit anderen Segelfliegern zu messen. Wer es gerne wild hat, für den ist vielleicht eine Kunstfluglizens der nächste Schritt oder der Erwerb der Lizensen für Motorsegler oder Ultraleichtflug, falls man sich für Motorflug interessiert.

Die Schulung und der Flugbetrieb können nur stattfinden, weil viele Mitglieder ehrenamtlich Tätigkeiten im Verein übernehmen. Dazu gehört der Vorstand, die Fluglehrer, Schlepppiloten oder auch die Warte, die sich um die Instandhaltung der Flugzeuge kümmern. Es müssen aber auch jedes Wochenende die Flugzeuge morgens aus- und am Abend wieder eingehallt werden und da sich ein Segelflugzeug aus eigener Kraft am Boden nicht bewegen kann braucht es die Mithilfe aller, um die Flugzeuge an den Start und schließlich in die Luft zu bekommen. Aus diesem Grund ist Segelfliegen eine Teamsportart, was es von anderen Formen des Fliegens unterscheidet.